262 I Rebalancing oder die Anti-Panik-Strategie
Shownotes
Wenn die Börsen gut laufen, wächst häufig nicht nur das Vermögen – sondern unbemerkt auch das Risiko im Depot.
Denn unterschiedliche Wertentwicklungen können dazu führen, dass sich die ursprüngliche Aufteilung eines Portfolios immer weiter verschiebt. Aus einer bewusst gewählten Anlagestrategie wird so mit der Zeit eine ganz andere Risikostruktur.
In dieser Folge von FinanzDialog sprechen Nadine Kostka von Liebinsfeld und Marc Seifer darüber, warum Rebalancing weit mehr ist als eine technische Umschichtung im Depot. Sie zeigen, wie klare Regeln dabei helfen können, Anlageentscheidungen nicht von Euphorie oder Angst bestimmen zu lassen.
Außerdem erfahren Sie, warum Rebalancing keine Prognose über die weitere Börsenentwicklung ist und weshalb vor jeder Anpassung zunächst die persönliche Lebens- und Vermögenssituation betrachtet werden sollte.
Finanzielle Klarheit. Für ein selbstbestimmtes Leben.
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00:00:00: Speaker: Risiko wächst oft genau dann, wenn es sich gar nicht nach Risiko anfühlt. Wenn die Kurse steigen, das Depot wächst und man das Gefühl hat, es läuft doch eigentlich alles gut. Aber gerade dann kann sich ein Portfolio unbemerkt von der ursprünglichen Gewichtung entfernen. Ja, das passiert meistens ganz automatisch. Ein Teil des Portfolios entwickelt sich stärker als ein anderer. Dadurch verschieben sich die Gewichtungen. Aus einer ausgewogenen Struktur wird dann mit der Zeit vielleicht eine deutlich offensivere Anlage. Und irgendwann kommt eine unruhigere Marktphase. Dann merkt der Anleger plötzlich Mein Depot schwankt stärker, als ich gedacht habe. Das zusätzliche Risiko ist aber nicht erst in diesem Moment entstanden. Es ist vorher entstanden, Nämlich Marc in den guten Marktphasen, der Rückgang macht es nur sichtbarer. Und genau deshalb sprechen wir heute über Rebalancing. So, dann das Intro. Herzlich willkommen zu einer neuen Podcastfolge von Finanzdialog. Wir schauen uns an, was Rebalancing wirklich bedeutet, warum es emotional oft schwer fällt und weshalb es viel mehr ist als eine technische Umschichtung im Depot. Für uns Nadine ist Rebalancing vor allen Dingen ein Disziplininstrument. Es verhindert keine Verluste, es und kennt aber auch nicht den perfekten Zeitpunkt. Es hilft dabei, Entscheidungen nicht aus Angst oder Euphorie zu treffen. Deswegen lass uns einfach für diese Folgen mal einen typischen Fall aus der Praxis nehmen. Nehmen wir einen Unternehmer, acht und fünfzig Jahre alt. Er hat einen Teil seines Unternehmens verkauft und 1,2 Millionen Euro in einem Wertpapierportfolio angelegt. In einigen Jahren möchte er seine Arbeitszeit deutlich reduzieren. Nadine Also wir haben vorher natürlich eine gemeinsame Struktur festgelegt, beispielsweise jetzt mal 60 Prozent in wachstumsorientierte Anlagen, und 40 Prozent sollen in einen stabilisierenden Baustein investiert werden. Zusätzlich gibt es außerhalb des Depots auch noch mal eine Liquiditätsreserve für zum Beispiel geplante Ausgaben in der Zukunft. Aber diese Aufteilung, wie du sagst, ist nicht zufällig entstanden, sondern zunächst haben wir mit Behaviour Quandt sein Investorenprofil erstellt und damit auch überhaupt erst seine Risikotoleranz, die Risikotragfähigkeit, seine Ziele, seinen Anlagestil überhaupt ermittelt. Und danach haben wir die Portfoliostrategie passend zu seinem Anlagehorizont und zu dem geplanten Ruhestand oder den Schwankungen, die finanziell oder persönlich tragen kann, ausgewählt. Vielleicht schauen wir dann mal in die Zukunft, weil wir beim Thema Rebalancing sind. Nach mehreren guten Aktienjahren sieht das Portfolio auf einmal anders aus als eigentlich festgelegt. Der Aktienanteil liegt nicht mehr bei den geplanten 60 Prozent, sondern zum Beispiel schon bei 72 Prozent. Der stabilisierende Teil ist dementsprechend deutlich kleiner geworden. Und der Mandant freut sich natürlich über die gute Entwicklung, Marc gleichzeitig, fragt aber auch Warum soll ich denn jetzt ausgerechnet die Anlagen reduzieren, die besonders gut gelaufen sind? Ja, das ist natürlich eine sehr gute und sehr verständliche Frage. Niemand trennt sich gerne von etwas, was gerade erfolgreich ist. Aber die entscheidende Frage lautet dann eher Ja. Wollte der Mandant wirklich bewusst mehr Risiko eingehen? Hat er entschieden, den Aktienanteil von 60 auf 72 Prozent zu erhöhen? Ja, Wenn man sich die Ziele und seine Tragfähigkeit anschaut und diese sich nicht verändert hat, dann lautet die Antwort meistens Nein. Dann ist die neue Aufteilung keine bewusst gewählte Strategie. Sie ist einfach durch die Marktbewegungen entstanden. Genau richtig. Und jetzt kommen wir mal zu dem Thema, was jetzt Rebalancing dann eigentlich bedeutet. Rebalancing heißt zunächst einmal, dass die vereinbarte Struktur, die am Anfang getroffen wurde, wiederhergestellt wird. Das heißt, ein Teil der zu stark gewachsenen Position wird reduziert und gleichzeitig werden die Bereiche ergänzt, die vielleicht zu klein geworden. Ich finde, das klingt schon so ein bisschen sehr technisch. Findest du? Ich würde sagen, im Kern ist es eine Frage der Risikosteuerung. Wir bringen das Portfolio also zurück zu dieser Aufteilung, die zur Lebensplanung des Mandanten gepasst hat und die wir vorher mit dem Mandanten zusammen festgelegt haben. Klar. Der Aktienanteil hat dabei eben eine andere Aufgabe als der stabilisierende Teil. Aktien sollen nämlich dieses langfristige Wachstum ermöglichen, und die stabilisierenden Anlagen sollen Schwankungen begrenzen und natürlich Handlungsspielraum schaffen. Und wenn sich die Gewichte zu stark verschieben, verändern sich auch eben diese Aufgaben. Und der Wachstumsbaustein wird dann immer dominanter, während der stabilisierende Teil an Bedeutung verliert. Ich würde sagen, Nadine, Man kann eigentlich sagen, dass Rebalancing stellt sozusagen die gewählten Rollen oder Ziele, die eben diese Anlagen hatten, wieder her. Es erinnert sozusagen das Vermögen daran, welche Aufgabe die einzelnen Bausteine erfüllen sollen. Okay, das ist ja jetzt aber hier sehr schön formuliert. Also Rebalancing ist keine Prognose. Der Bezugspunkt ist nicht unsere Meinung zum Markt, sondern der Bezugspunkt ist die vorher festgelegte Vermögensstruktur mit dem Mandat. Ja, weil du eben Timing vielleicht oder Meinung zum Markt angesprochen hast. Markt Timing würde dann in dieser Situation fragen Was passiert denn als nächstes am Markt? Rebalancing hat aber einen ganz anderen Standort und fragt Welche Risiken soll dieses Vermögen tragen? Und die erste Frage davon können wir nicht wirklich verlässlich beantworten, die zweite aber schon. Ja, wir würden natürlich gerne manchmal in die Zukunft schauen können. Das wäre auf jeden Fall schön. Aber warum fällt Rebalancing emotional manchmal schwer? Auf dem Papier ist das, was du jetzt gerade schön beschrieben hast, alles sehr logisch. Was stark gewachsen ist, wird etwas reduziert. Was zurückgefallen ist, wird ergänzt. Und in der Praxis ist das eben genau Das, was ich aber manchmal nicht so richtig anfühlt, nämlich nach guten Jahren, möchten Anleger die Gewinne weiterlaufen lassen und sie denken Warum soll ich denn jetzt was verkaufen, das gerade so gut funktioniert hat? Vielleicht verpasse ich dadurch nämlich die nächste Kurssteigerung. Ja, das ist durchaus auch manchmal berechtigt. Andersrum Nach einem Rückgang ist es eben genau umgekehrt. Dann fällt es schwer, genau vielleicht dort nachzukaufen, wo eben zuletzt Verluste entstanden sind. Man möchte dann natürlich lieber warten, vielleicht bis die Lage sich wieder etwas sicherer anfühlt. Ja, das Problem ist dann an den Märkten fühlt sich etwas oft erst dann wieder sicherer an, wenn die Kurse bereits deutlich gestiegen sind. Und das gute Gefühl kommt meist später als die Erholung. Ja, deshalb ist es genau dann so schwierig, Anlageentscheidungen allein aus dem Bauch heraus zu treffen. Der Bauch reagiert nämlich auf das, was gerade passiert. Eine langfristige Strategie muss aber immer über die aktuelle Stimmung am Markt hinaus denken können. Also Rebalancing nimmt niemandem die Sorge ab. Aber es ist ein Instrument. Es schafft Abstand zwischen Gefühl und Entscheidung und schützt eben nicht nur vor Panik, sondern auch vor Übermut. Ja, beides ist definitiv wichtig. Wir nennen das Rebalancing auch deshalb oft eben eine Anti Panik Strategie. Die Entscheidungen werden nicht spontan in Krisen oder auch Hochphasen getroffen, sondern die Regeln sind vorher festgelegt. Wenn man Ziele und Risiken in Ruhe betrachtet hat. Jetzt lass uns mal den Blick auf so eine schwache Marktphase richten. Was passiert denn dann? Wir gehen jetzt noch mal zurück zu unserem Beispiel mit dem Unternehmer. Das heißt also, nach der guten Entwicklung kommt jetzt eine schwächere Marktphase. Die Aktienkurse fallen deutlich und niemand weiß auch, wie lange diese Phase anhält. Was heißt das jetzt? Ja. Bleiben wir mal dabei. Er hätte eben diese Aktienquote von 72 Prozent einfach so weiterlaufen lassen. Dann würde dementsprechend sein Depot jetzt deutlich stärker schwanken als ursprünglich geplant. Das Risiko wäre in dieser Marktphase deutlich höher, obwohl es sich vorher an seinem Ruhestandsziel nichts geändert hatte. Richtig. Und da ist jetzt natürlich, wenn man so ein Rebalancing vorher durchgeführt hat, die Situation etwas geordneter, weil der Aktienanteil ist weiterhin groß genug geblieben, um langfristiges Wachstum zu ermöglichen und gleichzeitig eben diese stabilisierenden Mittel und Liquidität sind auch vorhanden. Und das ist dann wichtig, weil der Mandant nicht vielleicht gezwungen ist, in einer schwachen Phase langfristige Anlagen zu verkaufen. Oder geplante Ausgaben können dann eben aus den dafür vorgesehenen Bereichen auch finanziert werden. Gleichzeitig kann dieser Rückgang dazu führen, dass der Aktienanteil nun eigentlich unter die gewünschte Quote gefallen ist. Dann kommt das Rebalancing sogar, ja, ich sage mal andersrum ins ins Spiel, weil ein Teil der stabilisierenden Anlagen wird dann sogar dafür genutzt, um die Aktienquote wieder näher an die Zielstruktur zu bringen. Also man man investiert sozusagen aus den defensiven Anlagen wieder durch, zum Beispiel einen Tausch. Und durch dieses Rebalancing in offensive Anlagen. Und ja, das passiert eben nicht unüberlegt, sondern folgt nach einem klaren Prozess. Ja. Und hier gilt natürlich auch Wir wissen nicht, ob die Märkte danach sofort wieder steigen oder noch weiter fallen. Aber wir stellen die Risikostruktur wieder her, die der Mandant langfristig tragen möchte. Ja, Nadine, das ist denke ich mal der wichtige Unterschied dabei. Wer rebalanciert, behauptet nicht mehr über die Zukunft zu wissen. Er hält sich eben an eine Entscheidung, die bereits vorher getroffen wurde. Ja, und das gibt einem manchmal ja auch Sicherheit. Definitiv. Lass uns mal da noch diesen Vier Schritte Prozess gerade unseren Hörern erläutern. Das heißt, bevor wir ein Portfolio anpassen, schauen wir nicht nur auf die aktuellen Quoten im Portfolio, sondern wir gehen im Gespräch mit dem Mandanten vier Schritte durch. Der erste Schritt lautet Zielprüfung. Richtig. Das heißt, was soll das Vermögen leisten? Geht es um langfristiges Wachstum, um regelmäßige Entnahmen oder vielleicht auch um den Übergang in den Ruhestand. Oder ich sage vielleicht auch mal spätere Vermögensübertragung. Genau. Und der zweite Schritt lautet Wir prüfen die Lebenssituation. Also ist diese noch wie vor ein, zwei Jahren beispielsweise, weil wir führen ja regelmäßig natürlich Depotgespräche durch. Oder steht vielleicht gerade ein Immobilienkauf an? Soll der zweite Teil der Firma verkauft werden? Gibt es eine größere Schenkung oder verändert sich die berufliche Situation? Das kann sich ja auch Im Laufe eben einer Depotentwicklung können sich ja auch die persönlichen Ziele verändern. Für uns ist das extrem wichtig, wenn wir eben diese Gespräche führen, weil Änderungen in der Lebenssituation können viel wichtiger sein als jede Marktbewegung. Wenn sich nämlich das Leben verändert, kann auch eine neue Portfoliostruktur notwendig werden. Und die dritte Frage lautet dann Wie können wir diese Abweichung messen? Weil erst jetzt schauen wir quasi auf das Depot, wie weit sich die einzelnen Vermögensbausteine von ihrer vorgesehenen ursprünglichen Gewichtung überhaupt entfernt haben. Dabei betrachten wir vielleicht auch noch mal nicht nur das Wertpapierdepot, sondern natürlich auch Immobilien und Unternehmensbeteiligungen. Das Bankguthaben oder auch andere Vermögenswerte, die eben zum Gesamtbild des Kunden gehören. Dafür ist es vielleicht auch noch mal ganz wichtig. Wir arbeiten mit unseren Kunden ja über das Smart MSC auch immer mit dem Dashboard, wo wir immer versuchen, natürlich die Vermögensbilanz des Kunden oder des Mandanten eben so genau wie möglich darzustellen, um uns ein besseres Bild und den Mandanten eben ein besseres Bild über die Gesamtsituation machen zu können. Genau das bekommen wir ja auch tatsächlich immer wiedergespiegelt Marc, weil viele Unternehmer kennen das natürlich, die haben im Unternehmen eine Bilanz. Aber ganz wenige Privatpersonen führen eine private Vermögensbilanz für sich. Und da ist also wirklich ein ganz, ganz tolles Feedback, was wir zu unserer Vermögensbilanz erhalten. Weil man auf einen Blick jedes Mal, wenn man sich einloggt, natürlich ein Bild bekommt Wo stehe ich gerade? Der vierte Schritt lautet Wie setze ich das jetzt effizient um? Das heißt, wir prüfen, ob neue Einzahlungen, Ausschüttungen oder ohnehin geplante Entnahmen genutzt werden können, bevor zusätzliche Umschichtungen dann auch erfolgen. Ja, ich denke mal, das ist dann auch der entscheidende Unterschied zwischen einer automatischen Depotanpassung, die ja auch möglich ist, oder echter Vermögensbegleitung. Es geht dann also darum zu erkennen, ob nur das Portfolio aus dem Gleichgewicht geraten ist oder ob sich auch wirklich die Lebensplanung verändert hat. Das sind zwei völlig unterschiedliche Situationen. Im ersten Fall kann beispielsweise einfach das Rebalancing ausreichen. Im zweiten Fall muss möglicherweise die gesamte Strategie und die Situation des Kunden neu betrachtet werden. Okay, dann gehen wir jetzt noch mal drei Fragen durch, die vielleicht jeder Hörer auch für die eigene Einordnung sich notieren kann oder stellen kann. Also Anleger können ihre eigene Situation da auch sehr einfach damit überprüfen. Die erste lautet Haben sich meine Ziele oder mein Anlagehorizont verändert? Also plane ich vielleicht jetzt früher in den Ruhestand zu gehen. Benötige ich in einigen Jahren einen größeren Geldbetrag oder haben sich meine regelmäßigen Ausgaben oder die geplanten Entnahmen verändert? Und die zweite Frage Marc, was wir ja oft stellen Hat sich überhaupt meine Risikotragfähigkeit auch verändert? Dabei geht es eben nicht nur um Zahlen, sondern auch um das eigene Verhalten. Deshalb führen wir ja mit unseren Mandanten regelmäßige Aktualisierung auch des Investorenprofils durch. Das ist sehr interessant, was ich da manchmal ergibt. Ja, wenn man vorher eine Gewichtung festgelegt hat, kannst du ja auch noch mal was sagen. Ja, genau. Eben weil du das Investorenprofil angesprochen hast. Vielleicht auch eben die. Genau diese finanzielle Tragfähigkeit. Kann ich in Schwankungen das weiterhin verkraften? Und kann ich das auch emotional aushalten, ohne bei jedem Rückgang beispielsweise die Strategie, die wir festgelegt haben, wieder in Frage zu stellen? Ja, und da ist dann die dritte Frage so wichtig. Oder ist vielleicht sogar alles gleich geblieben und es haben sich lediglich eben die Gewichte innerhalb nur des Portfolios verschoben? Dann ist es halt auch wichtig, darauf einzugehen. Also wenn Ziele und Risikotragfähigkeit gleich geblieben sind und sich nur die Quoten durch Marktbewegungen abweichen, spricht eben vieles dafür, die bestehende Strategie wiederherzustellen, statt eben eine völlig neue zu entwickeln. Ja, und dieser Unterschied ist wichtig. Nicht jede Marktbewegung verlangt es ja, eine neue Strategie festzulegen, aber auch nicht jede alte Strategie bleibt automatisch immer richtig, nur weil sie irgendwann einmal festgelegt wurde. Wie oft sollte man denn balancieren? Muss man denn dafür ständig ins Depot schauen? Aus unserer Sicht ja eher nicht. Eine tägliche Kontrolle führt nämlich schnell genau diesen Aktionismus, den Rebalancing doch eigentlich vermeiden soll. Ja, ich denke mal, da gibt es eigentlich in der Praxis zwei verbreitete Ansätze Der erste überarbeitet mit festem Zeitpunkt, zum Beispiel einer jährlichen Überprüfung. Und der zweite arbeitet mit so einer Art Bandbreiten. Dabei wird erst geprüft, wenn eine Anlageklasse einen vorher festgelegten Korridor verlässt, das heißt bei einer Zielquote von beispielsweise wie bei unserem Unternehmer 60 Prozent Aktien wird also nicht wegen jeder kleinen Abweichung gehandelt, sondern erst dann, wenn die Gewichtung wirklich sich deutlich genug verändert hat, entsteht eben dieser Handlungsbedarf. Ja, und welche Bandbreite sinnvoll ist, hängt natürlich vom Portfolio ab. Eine pauschale Zahl passt nicht zu jedem Anleger und nicht zu jeder Vermögensstruktur. Wichtig ist da vor allem, dass die Regeln vorher festgelegt werden. Sonst besteht nämlich die Gefahr, dass man die Grenzen immer genau so verändert, wie es zur aktuellen Stimmung passt. Rebalancing bedeutet deshalb nicht immer verkaufen. Viele denken beim Rebalancing sofort an Verkäufe. Das ist aber eben nicht zwingend der erste Schritt. Neue Einzahlungen können aber auch zum Beispiel gezielt in diese Bereiche gelenkt werden, die im Portfolio zu klein geworden sind. Auch Ausschüttungen und Zinsen lassen sich dort wieder anlegen. Ja, oder? Auch bei regelmäßigen Entnahmen kann es sinnvoll sein, das Geld bevorzugt zum Beispiel aus den übergewichteten Bereichen zu entnehmen und dadurch nähert sich das Portfolio ebenfalls wieder seiner ursprünglichen Zielstruktur an. Erst wenn diese Möglichkeiten nicht mehr ausreichen, werden gezielte Umschichtungen notwendig. Dann müssen auch Kosten und mögliche Steuer folgen, eben auch berücksichtigt werden. Es wäre nämlich aus unserer Sicht wenig sinnvoll wegen einer kleinen Abweichung hohe Kosten oder unnötige Steuern auszulösen. Rebalancing soll ja das Portfolio verbessern und nicht durch zu viele Transaktionen eben sogar belasten. Genau das ist richtig. Und deswegen kommen wir jetzt noch mal zu dem Punkt, was Rebalancing nicht kann. Ja, es ist sinnvoll, aber es hat auch klare Grenzen. Also es verhindert keine Verluste und auch eine gute Struktur. Und auch ein gut strukturiertes Portfolio kann eben zeitweise deutlich an Wert verlieren. Ja, wichtig vor allen Dingen ist garantiert auch keine automatische bessere Rendite. Wenn Aktien über viele Jahre stark steigen, könnte ein Portfolio ohne Rebalancing auf dem Papier natürlich besser aussehen, weil der Aktienanteil natürlich immer und immer größer wird. Ja, dann wird aber auch immer mehr Risiko getragen und der Vergleich wäre also unvollständig, wenn man nur auf das Endergebnis schaut und nicht auf die zwischenzeitlichen Schwankungen. Ja, und deswegen ist eben das Ziel von Rebalancing nicht die maximal mögliche Rendite in einem bestimmten Szenario, sondern das Ziel ist eine Struktur, die langfristig zur Lebensplanung passt. Gut, dann lass uns noch mal zurück zu unserem Unternehmer kommen. Also was bedeutet es am Ende für unseren 58 jährigen Unternehmer? Wir würden nicht automatisch also jede Position so lange verändern, bis wieder exakt sechzig vierzig der Quote erreicht ist. Sondern wir prüfen ja eigentlich erst, ob sein geplanter Ruhestand, seine Ausgaben und seine unternehmerische Situation noch mit dem ursprünglichen Plan, den wir zum Beispiel im letzten Gespräch festgelegt hatten, ob das überhaupt noch passt? Und wenn sich daran nichts geändert hat, kann es sinnvoll sein, den gestiegenen Aktienanteil kontrolliert zurückzuführen und die Umsetzung kann auch schrittweise erfolgen. Ausschüttungen fließen in den stabilisierenden Bereich, geplante Entnahmen werden aus den Aktien Übergewicht finanziert. Nur die verbleibende Abweichung wird dann über Verkäufe ausgeglichen. Oder man hat eben ein klassisches Modell Portfolio, dann ist das auch im Rahmen von der vorher festgelegten Prozentualen Verteilung möglich. Ja, Nadine, das ist natürlich die eine Situation. Sollte der Unternehmer dagegen aber zum Beispiel was geändert haben, zum Beispiel früher in den Ruhestand gehen oder in ein, zwei Jahren noch eine größere Immobilie kaufen wollen, reicht ein normales Rebalancing meist eben nicht mehr aus. Dann hat sich die Aufgabe des Vermögens eben verändert. Und wenn sich diese Aufgabe verändert, muss auch die Struktur eben neu geplant werden. Das ist für uns eben der Kern auch guter Vermögensbekleidung mag eben nicht einfach, die Quote nur zu überwachen, sondern das Kapital immer wieder mit dem Leben des Mandanten abzugleichen. Denn das Portfolio hat eben nicht den Selbstzweck eines Portfolios, sondern es soll ja die Entscheidung ermöglichen, Sicherheiten geben und langfristig eben die Ziele des Mandanten tragen. Ja, und dann kommen wir schon quasi zu unserem Schluss. Weil Rebalancing ist also nicht spektakulär. Es liefert keine Prognosen, kein Geheimtipp und keine aufregenden Geschichten über den nächsten Börsengewinner. Aber, aber es bringt das Portfolio zurück zu einer Entscheidung, die in einem ruhigen Moment getroffen wurde. Genau das macht es so wertvoll. Sehr gut. Das heißt also, schauen Sie bei Ihrem nächsten Depotcheck nicht nur auf Gewinn oder Verlust, sondern stellen Sie sich doch diese drei Fragen Haben sich Ihre Ziele verändert? Hat sich Ihre Risikotragfähigkeit verändert oder hat sich lediglich die Gewichtung Ihres Portfolios verschoben? Ja, Die Antworten helfen dabei, zu erkennen, ob eine neue Strategie notwendig ist oder ob die vorhergesehene Struktur wiederhergestellt werden sollte. Und ich finde, damit Nadine endet unsere heutige aktuelle Folge. Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre aktuelle Portfoliogewichtung noch zu Ihrer Lebenssituation passt, kommen Sie gerne auf uns zu. Denn wir stehen für finanzielle Klarheit. Für ein selbstbestimmtes Leben. Bis bald. Bis zum nächsten Mal.
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