260 | Die 5 teuersten Anlegerfehler bei Vermögen ab 200k
Shownotes
Was passiert, wenn plötzlich ein größerer Betrag auf dem Konto liegt – etwa durch eine Erbschaft, eine auslaufende Versicherung, den Verkauf einer Immobilie oder eines Unternehmens? Für viele Anleger fühlt sich das zunächst nach Freiheit an. Gleichzeitig entstehen neue Fragen: Wie viel Risiko ist sinnvoll? Wie viel Liquidität sollte verfügbar bleiben? Welche Rolle spielt das Vermögen für Ruhestand, Familie oder die nächste Lebensphase?
In dieser Folge von FINANZDIALOG sprechen Nadine Kostka von Liebinsfeld und Marc Seifer über fünf typische Anlegerfehler, die gerade bei größeren Vermögen besonders ins Gewicht fallen können. Dabei geht es nicht um Markt-Timing, Prognosen oder einzelne Produkte, sondern um eine klare Vermögensstruktur, bewusste Risikosteuerung und langfristig tragfähige Entscheidungen.
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00:00:00: Speaker: Stellen Sie sich vor, Sie haben drei hundert tausend Euro auf dem Konto. Vielleicht aus einer Erbschaft, einer auslaufenden Versicherung, vielleicht aus dem Verkauf einer Immobilie. Und plötzlich fühlt sich dieses Geld nicht nur nach Freiheit an, sondern nach viel Verantwortung. Denn es stehen viele Fragen im Raum, die vorher vielleicht gar nicht so konkret waren. Wie viel davon darf schwanken? Wie viel soll verfügbar sein? Was ist davon vielleicht für den Ruhestand gedacht? Und was passiert, wenn ich jetzt eine falsche Entscheidung treffe? Genau an diesem Punkt machen eben viele Anleger nicht nur einen großen Fehler, sondern mehrere kleine. Und die Scheinbar basieren die auf vernünftigen Entscheidungen, die aber zusammen langfristig recht teuer werden können. Richtig, Nadine. Deshalb geht es heute nicht um den nächsten Geheimtipp, nicht um Timing, ja nicht um die Frage, welcher Markt genau jetzt spannend ist. Sondern es geht um die fünf Anleger Fehler, die bei einem größeren oder bei einem großen Vermögen besonders ins Gewicht fallen. Ja, und vor allem auch darum, wie man sie vermeidet Marc. Mit Struktur, Klarheit, einem Plan, der dann zum eigenen Leben passt. Ja. Herzlich willkommen beim Podcast FINANZDIALOG heute mit mir und mit Marc. Hallo! Hi Marc, viele Anleger merken ja gar nicht, wann sich die Spielregeln verändern. Bei zwanzig dreißig tausend Euro geht es oft darum, überhaupt mal anzufangen. Aber wenn dann zwei hundert tausend Euro oder mehr auf dem Konto liegen und eben aus einer Situation herausgekommen, geht es dann schon um mehr Verantwortung, Struktur darum aufzubauen, Fehler zu vermeiden, die eben langfristig teuer werden können. Ja, Nadine Teuer heißt nicht unbedingt. Ja, ein paar Gebühren zu viel teuer kann bedeuten, das Vermögen nicht. Zur Lebensplanung passt, dass Risiken entstehen, die man bewusst gewählt hat. Oder dass in stressigen Marktphasen Entscheidungen getroffen werden, die später nur schwer zu korrigieren sind. deshalb sprechen wir eben heute über die fünf Anleger Fehler, die wir gerade bei größerem Vermögen immer wieder sehen. Wo lohnt es sich, genauer hinzuschauen? Ja, denn ab einer gewissen Vermögensgröße wird eben Geldanlage nicht automatisch komplexer. Aber sie wird eben relevant, weil sie dann Themen berührt wie Ruhestand, Familie, die Immobilie, berufliche Freiheit, vielleicht auch die nächste Generation. Und genau deshalb ist dann die wichtigste Frage Welche Struktur trägt denn dieses Vermögen jetzt langfristig? Nadine Ich fange einfach mal an mit dem ersten Fehler. Der klingt vielleicht simpel, ist aber tatsächlich einer der häufigsten. Geld wird investiert, bevor klar ist, welche Aufgabe es erfüllen soll. Da kommen zwei hundert fünfzig tausend, wie gesagt, aus einer Erbschaft, einer auslaufenden Versicherung oder einem Unternehmensverkauf. Und sofort entsteht der Druck. Das Geld soll auch nicht einfach nur herumliegen. Ja klar, das ist ja auch schlecht, wenn es einfach nur da liegt und nicht arbeitet. Und dieser Druck ist dann auch nachvollziehbar, Marc. Aber das kann eben auch gefährlich sein. Denn bevor man jetzt über ein Produkt nachdenkt oder dann eben Aktienfonds, Anleihen, Tagesgeld spricht, muss doch klar sein wofür soll dieses Kapital denn da sein? Was soll es leisten? Und das sind eben solche Fragen, die wir immer wieder hier im Podcast auch stellen, weil sie so extrem wichtig sind. Ja, Sicherheit geben, Ruhestand vorbereiten, Einkommen ersetzen, auch Flexibilität schaffen. Das ist so besonders wichtig, dass Liquidität auch da ist für schwankende Marktphasen oder eben auch soll Vermögen an Kinder weitergegeben werden. Muss eine Immobilie instand gehalten werden oder auch für das Alter. Ich weiß, die Pflege wird ja immer wichtiger. Pflegekosten steigen immer wieder. Ja, richtig, Nadine, Und deswegen sollte man eben nicht diese Gedanken ja, sage ich mal, beiseitelegen, sondern man muss genau auf diese achten, weil sonst wird aus Vermögensstruktur eben schnell Produktauswahl, wie du es vorhin schon gesagt hast Fonds, Anleihen, Tagesgeld was soll ich jetzt machen? Und dann sucht man eben einzelne Bausteine, bevor überhaupt klar ist, was ist der Bauplan dazu? Ich mache mal ein Beispiel dazu. Eine Mandantin erhält zum Beispiel zwei hundert zwanzig tausend aus einer Erbschaft. Sie verdient gut, hat zwei Kinder, noch eine Immobilienfinanzierung und möchte in zehn Jahren beruflich kürzer treten. Wenn das Geld komplett langfristig investiert wird, kann das auf dem Papier erstmal vernünftig aussehen. Aber vielleicht braucht ein Teil davon ja auch eine ganz andere Funktion, zum Beispiel eine Liquiditätsreserve als Puffer, zum Beispiel für Ausbildungskosten der Kinder oder auch als Sicherheitsbaustein. Wenn nämlich später die Arbeitszeit reduziert wird und erst wenn dann diese Rollen im Vorfeld klar besprochen sind, lässt sich doch entscheiden, welcher Teil davon jetzt langfristig in Wachstumsprodukte Anlagekonzepte eben investiert werden darf. Und welcher Teil soll stabil und vor allen Dingen jederzeit verfügbar sein. Deswegen Der erste teure Fehler lautet also Kapital wird angelegt, ohne dass seine Funktion im Vorfeld im Gesamtbild geklärt ist. Die bessere Reihenfolge ist also erst das Ziel definieren, dann die Struktur und dann die Umsetzung. Richtig, Nadine, Ich mache weiter mit dem zweiten Fehler und der betrifft das Risiko. Hier sehen wir oft zwei Extreme. Manche Anleger gehen viel zu viel Risiko ein, weil sie sich an den vergangenen Renditen orientieren. Andere dagegen gehen dann viel zu wenig oder fast gar kein Risiko ein, weil sie unbedingt jede Schwankung eben vermeiden wollen. Ja, wenn das alles immer so zusammenginge. Beides kann nämlich teuer werden, weil viele setzen Risiko auch mit Kursschwankungen gleich. Und wenn das Depot schwankt, fühlt es sich für sie dann gefährlicher an? Und wenn es stabil aussieht, fühlt es sich sicherer an? Aber so einfach ist es eben nicht. Ja, das wäre schön. Aber ein Depot kann wenig schwanken und trotzdem eben langfristig an Kaufkraft verlieren. Umgekehrt kann ein breit gestreutes Aktienportfolio schwanken und dann trotzdem für einen langen Anlagehorizont ein sinnvoller Wachstumsbaustein sein. Entscheidend ist dementsprechend nicht, ob Risiko vorhanden ist. Risiko gehört zur Geldanlage und ist auch in dem Fall wichtig dafür, dass wir überhaupt die Renditen erwirtschaften können. Entscheidend ist es aber deswegen, ob es bewusst gewählt ist, ob es verstanden wird und ob es eben zur Lebenssituation passend ist. Nehmen wir doch mal noch ein Beispiel. Das ist ja wir arbeiten immer gern mit Beispielen. Wir haben jetzt jemanden, der hat fünf hundert tausend Euro im Depot, ist Mitte fünfzig, plant seinen Ruhestand mit zwei und sechzig Das Depot ist historisch gewachsen, war aber stark aktienlastig. Und solange die Märkte im steigen, ist das ja auch alles gut. Aber kurz vor dem Ruhestand kann eben, wie wir ja auch gesehen haben, mal spontane, schnelle, größere Korrektur kommen und dann wird das eben sehr konkret. Dann geht es eben nicht um eine abstrakte Prozentzahl, die jetzt mal ein Minus vor dem vor der Zahl hat, sondern da kommen dann Emotionen ins Spiel, die mit dem angelegten Kapital nämlich dann verbunden werden, weil dann stellt man sich ja diese Fragen Kann ich trotzdem wie geplant früher aufhören zu arbeiten? Muss ich jetzt gerade Anlagen verkaufen, obwohl sie jetzt gefallen sind, oder habe ich noch genug Liquidität, um weiter ruhig zu bleiben? Ja, richtig, Nadine. Auf der anderen Seite kann aber auch zu viel Vorsicht problematisch sein. Also nicht nur zu viel Risiko, sondern auch zu wenig Risiko kann eben auch zum Problem werden. Wer bei langfristigen Zielen jede Schwankung vermeiden will, kauft sich möglicherweise eben ein anderes Risiko ein, das das Vermögen eben später nicht genug Ertrag geliefert hat. Ja, das ist absolut auch ein Risiko. Ja, deswegen. Der zweite teure Fehler lautet deshalb Risiko wird entweder unterschätzt, überschätzt oder falsch verstanden. Die bessere Lösung ist eine Risikostruktur, die zur Lebensphase, zum Ziel und zur tatsächlichen persönlichen eigenen Tragfähigkeit passt. Das hast du sehr schön gesagt. Danke. Der dritte Fehler ist auch die Suche nach dem perfekten Zeitpunkt. Gerade bei solchen größeren Beträgen, die investiert werden, ist das ja auch menschlich. Wer diese zwei, drei hundert tausend oder mehr investieren möchte, will natürlich nicht direkt vor einem Rückgang einsteigen. Da ist einfach natürlich klar, das Bedürfnis ist verständlich. Aber genau das ist oft auch Was wir in der Vergangenheit gesehen haben, führt manchmal auch zu Stillstand. Man wartet auf ein Signal, auf niedrigere Kurse, auf ruhigere Märkte, bessere Nachrichten. Nur wenn die jetzt gerade nicht kommen und wir gerade nicht in so einer Phase stehen, dann steigt die Ampel oder zeigt sie niemals grün an, so nach dem Motto Jetzt investieren, sondern dann ist dieser Stillstand eben auch ein Punkt, dass man Rendite überhaupt nicht mitnimmt. In der Zeit. Na ja, ich finde, ein Punkt, den du gesagt hast, finde ich sehr spannend. Und zwar vom perfekten Zeitpunkt. Gerade wenn eben die Märkte gefallen sind, wäre das ja meistens ein Punkt, wo man sagt, jetzt wäre es vielleicht schlau einzusteigen. Aber genau zu diesem Zeitpunkt herrscht halt große Angst, das könnte ja auch weiter fallen. Genau das ist ja auch das Schwere daran, eben diesen perfekten Zeitpunkt zu zu finden. Andererseits wenn sie gestiegen sind, wirkt der Einstieg viel zu teuer und während man wartet, bleibt das Vermögen vielleicht in einer Struktur, die man so eigentlich gar nicht haben will und die auch nicht zu den eigenen Zielen passt. Prognosen verstärken eben dieses Problem meistens noch. Sie geben das Gefühl von Orientierung. Aber Prognosen ändern sich halt auch immer. Die Zinsen, Inflation, ich sag mal Konjunktur, Politik, Krisen. Ich sag mal Thema Politik. Man hat das ja jetzt gemerkt. Thema Trump ist ja immer wieder Unsicherheit im Markt und da gibt es immer wieder viele Gründe, noch weiter zu warten, wenn man eben keine passende Struktur dazu hat. Ja, das ist richtig und da kommt ja auch jeden Tag irgendwie was Neues immer aus der Ecke, aus unserer Sicht. Ersetzt Struktur. Auch die Prognose dann ein Stück weit. Denn wer weiß, welcher Teil also langfristig investiert werden kann und welcher Teil eben stabil bleiben soll. Und der andere, der als Liquiditätspuffer dienen soll, braucht eben keinen perfekten Einstiegszeitpunkt. Das heißt eben nicht, dass man alles immer sofort trotzdem investieren muss. Wenn man diesen Plan hat, sondern bei größeren Summen, kann ein stufenweise Einstieg absolut sinnvoll sein. Das hilft auch oft emotional, weil man braucht. Man braucht einen Plan und will keine täglichen Entscheidungen nach den Marktnachrichten ausrichten. Richtig. Ich fasse mal den dritten Fehler zusammen Anleger machen ihre Strategie von Timing und Prognosen abhängig. Die bessere Alternative dafür ist ein klarer Investitionsrahmen mit definierter Liquidität, tragfähiger Risikoverteilung und sehr wichtig in dem Fall Disziplinierter Umsetzung. Kommen wir zum vierten Fehler. Jetzt auch schon. Kosten. Steuern. Komplexität? Ja. Die werden häufig unterschätzt, weil sie weniger emotional sind. Aber sie sind tatsächlich enorm wichtig. Richtig. Kosten sind oft eben tückisch oder können manchmal tückisch sein, weil sie genau betrachtet werden müssen. Ich sage mal zwei Prozent hier interne Produktkosten, dort noch mal Depotgebühren, Transaktionskosten, steuerlich ungünstige Umschichtungen. Jede Position wirkt eigentlich für sich nicht dramatisch, aber wenn man sie dann zusammen betrachtet, addiert und über viele Jahre weg. Dann können Sie eben am Investitionsbetrag und vor allen Dingen an der Rendite zehren. Absolut. Vor allen Dingen Sie haben einen Vorteil im Vergleich zu Renditen. Die sind eben nicht vorhersehbar. Aber die Kosten, die sind relativ sicher. Ja, die künftigen Marktrenditen, wie gesagt, die kennt niemand. Aber laufende Kosten, die wirken halt Jahr für Jahr. Und deshalb ist die Kostenkontrolle kein Thema, was man mal so nebenbei haben sollte, sondern das ist wirklich Teil des Vermögens Plans der Architektur. Ich finde sehr wichtig dabei, Aber nur weil wir jetzt das Thema Kosten ansprechen, heißt das nicht, dass man immer das billigste Produkt wählen soll, sondern es geht darum, jede Kostenposition zu sehen und da nachzuvollziehen, ob diese Kosten einen Nutzen haben. Ich sage mal, ein Depot mit fünf und dreißig Positionen sieht erstmal anspruchsvoll aus. Aber ist es dann auch wirklich besser strukturiert oder überschneiden sich da einfach viele Anlagen? Gibt es einen Klumpenrisiko? Wird da aber auch einfach vielleicht für ähnliche Anlagen oder für ähnliche Anlagen für ähnliche Leistungen doppelt bezahlt? Absolut ja. Und gerade bei Vermögen, die eben in einem größeren sechsstelligen Bereich sind, sehen wir häufig einfach auch historisch gewachsene Depots. Das heißt, ein Mandant kommt zu uns, hat eben schon eine bestehende Portfoliostruktur. Da wurde ein Fonds oder ein ETF eben vor Jahren gekauft. Dann kam noch ein weiteres ETF dazu, dann kam eine Branchenidee dazu. Dann hat man einen defensiven Baustein mit eingebaut, vielleicht als Geldmarktfonds. Und jede Entscheidung war einzeln zu dem Zeitpunkt vielleicht nachvollziehbar, aber im Gesamtbild fehlte dann die Strukturen, die Ordnung. Ich finde ein wichtiger Punkt vielleicht noch ergänzend, weil du ja eben das Thema Gesamtbild angesprochen hast Steuern, Die gehören nämlich auf jeden Fall mit in die Betrachtung. Nicht als kurzfristiger Ertrag, sondern einfach als Teil der Planung. Unnötige Umschichtungen, schlecht vorbereitete Entnahmen oder unkoordinierte Verkäufe können eben das langfristige Wachstum hemmen. Absolut. Deswegen lautet also der vierte Fehler, den es zu vermeiden gibt Anleger unterschätzen die langfristige Wirkung von Kosten, Steuern und unnötiger Komplexität. Deswegen ist es einfach besser, ein transparentes Portfolio, bei dem jeder Baustein seine klare Aufgabe erfüllt, so Nadine. Ich komme schon zum letzten Fehler. Fehler fünf Der fünfte Fehler ist vielleicht der menschlichste. In schwierigen Marktphasen wird die Strategie verlassen. Hört sich erst mal, ja, hört sich erstmal blöd an, aber wenn man eine Strategie hat, sollte man versuchen, natürlich auch da langfristig dran festzuhalten. In guten Zeiten, sage ich mal, sagen viele Anleger. Rückgänge halte ich aus. Langfristig investieren. Ich lasse mich nicht verunsichern, aber wenn dann das Depot eben wirklich mal deutlich fällt, ich sage mal zehn, vielleicht fünfzehn Prozent, fühlt sich die Aussage schon wieder ganz anders an, wenn man es dann eben am eigenen Körper sozusagen fühlt. Ja richtig, dann ist es nämlich keine Theorie. Dann sieht man nämlich in der Praxis genau dann auf einmal nicht nur die Prozentzahlen, sondern einen konkreten Betrag, vielleicht zehn, zwanzig tausend Euro. Und das wirkt total dramatisch, dass man das auf einmal weniger hat. Und dann nimmt man Nachrichten, die eben auch man tagtäglich hört, viel negativer wahr. Im Umfeld sprechen natürlich die Menschen über Krisen. Und plötzlich wirkt der langfristige Plan einfach weniger stabil und man möchte gar nicht so lange durchhalten. Ja, ich finde, wie du es gesagt hast, dieses Nachrichten werden negativer wahrgenommen. Diese. Dann entsteht so eine Verlustaversion. Und das ist aber dann kein persönliches Versagen, sondern das ist menschlich. Das ist eben menschlich. Da entsteht so eine Art Herdenverhalten, aber auch ja, der Wunsch nach Kontrolle und all das davon spielt eben zusammen eine eine gewisse Rolle. Deshalb darf eine Strategie nicht nur mathematisch sinnvoll sein, sondern das ist eben der wichtige Punkt. Sie muss auch psychologisch tragfähig sein. Ja, psychologisch tragfähig hatten wir im letzten Podcast jetzt auch schon gehabt. Das ist genau der Punkt, da kommt diese Struktur wieder ins Spiel. Eine gute Strategie entscheidet eben nicht erst in der Krise, was zu tun ist, sondern man definiert vorher schon, weil man weiß, der Markt wird immer wieder Schwankungen aufweisen. Welche Schwankungen sind also möglich, was? Wie reagiere ich dann darauf? Welche Liquidität ist vorhanden, wie oft wird es regelmäßig überprüft und besonders wichtig? Dabei komme ich wieder zu dem Punkt Liquiditätspuffer. Denn wenn kurzfristige Ausgaben oder geplante Entnahmen eben nicht aus einem schwankenden Teil des Portfolios bedient werden müssen, dann fällt es eben auch viel leichter, langfristige Bausteine in Ruhe zu lassen und daran festzuhalten. Ja, ich denke, vor allem dieser Punkt gilt für Menschen kurz vor oder schon im Ruhestand. Wer regelmäßig entnimmt, braucht eine andere Struktur als jemand, der halt noch zwanzig Jahre Kapital aufbaut und deswegen Fehler fünf lautet. Anleger haben Anlagen, aber keinen belastbaren Entscheidungsrahmen für schwierige Phasen. Die bessere Lösung ist eine Strategie, die eben nicht nur bei Sonnenschein funktioniert. Genau. Gut, ordnen wir das mal ganz praktisch noch mal ein. Wenn wir also diese fünf Fehler zusammenfassen, wird doch klar, dass eben bei Anlagesummen ab zwei hundert tausend die erste Frage eben nicht lauten sollte Wie soll mein Vermögen geordnet sein? Sondern lassen Sie sich bitte eben kein Produkt verkaufen, sondern eben fragen Sie gezielt nach, ob der Berater Ihre Ziele vorab berücksichtigt, ob er das im Blick hat, was Sie damit erreichen möchten. Eine praktische Denkweise für diese Einteilung ist eben nach Funktionen. Ein Teil braucht kurzfristige Verfügbarkeit, ein Teil soll vielleicht der Gesamtstruktur Stabilität verteilen oder verleiten. Und ein Teil der darf bewusst schwanken, aber auch vor allen Dingen langfristig wachsen. Ja, und diese Gewichtung sieht natürlich je nach Person immer unterschiedlich aus. Bei einem vierzig jährigen Unternehmer oder Unternehmerin sieht das anders aus als bei einem ein und sechzig jährigen angestellten Angestellten kurz vor dem Ruhestand. Und wieder ein anderes bei jemandem, der gerade geerbt hat und erst mal Klarheit gewinnen muss und vielleicht eben den Vermögenserhalt im Fokus hat. Ich denke, ein guter Prüfstein ist dann die Frage Kann ich jedem meiner Euros einen oder jedem meiner Euro in meinem Vermögen grundsätzlich eine Aufgabe zuordnen? Jetzt nicht auf den Cent genau, aber in der Logik. Sicherheit, Wachstum, Liquidität, Entnahme vielleicht für die Familie und einen Teil für die Zukunft. Ja, Ein zweiter Prüfstein könnte sein, würde ich mein aktuelles Depot heute genauso wieder aufbauen, weil viele Depots hatten wir eben gerade, sind über Jahre entstanden. Aber wenn man ehrlich dann jetzt mal im Status Quo draufguckt, muss man sich ja fragen Würde ich die Struktur heute bewusst genauso noch wählen. Und da sehen wir häufig die Antwort wäre da nein. Ja, das ist aber auch nicht unbedingt tragisch. Das heißt ja nur, dass man dann wieder einen Schritt zurückgehen muss. Vielleicht noch mal die Struktur dahinter hinterfragen muss. Und da finde ich, ist noch mal wichtig, dass man nicht in ein hektisches Umbauen und ins Handeln direkt gerät, sondern es geht um Ordnung, welche Position erfüllt, welche Funktion, welche es vielleicht doppelt drin. Welche Risiken sind unbeabsichtigt? Aber die hat man vielleicht trotzdem mit drin, weil man ja vielleicht diese Position auch lange nicht mehr betrachtet hat. Und welche Kosten sind nachvollziehbar? Welche sind vielleicht, aber welche kann man auch vermindern? Das ist ja immer ein wichtiger Punkt. Auch. Und der dritte Prüfstein, der betrifft auch die unruhige Marktphase. Da, die nächste kommt sicherlich wieder und deswegen ist nicht die Frage, ob sie kommt, sondern wie ist man darauf vorbereitet? Welche Ausgaben müssen trotzdem finanziert werden? Welche Entscheidungen sind vorgesehen? Ist der Puffer ausreichend vorhanden? Das sind ganz wichtige Bausteine und hat man auch mal, als der Markt gut lief, mal Gewinne rausgenommen, gesichert und eben diesen Liquiditätspuffer aufgebaut? Absolut richtig Nadine. Dann noch mal vielleicht kurze Schlussgedanken Die wirklich teuren Anlagen. Fehler entstehen selten durch eine falsche Marktphase oder den einen falschen Fonds. Sie entstehen meistens auf struktureller Ebene. Vermögen ohne Aufgabe, Risiko ohne Einordnung, Prognosen statt Prinzipien, Kosten ohne Kontrolle und die fehlende Disziplin in schwierigen Marktphasen. Ja, und wie gesagt ab zwei hundert tausend Euro ist Geldanlage deswegen nicht komplexer, aber manchmal ein bisschen verantwortungsvoller. Zumindest fühlt es sich so an, weil das Vermögen hat Bedeutung für Lebensentscheidungen eben kurz vor dem Ruhestand, für Familienabsicherung, für Freiheiten auszuleben und Sicherheit vor allen Dingen zu geben. Ein Punkt ist mir noch mal wichtig Die Rendite bleibt natürlich wichtig, dass das. Da kommen wir auch nicht drumrum. Rendite ist auf jeden Fall wichtig, aber sie ist nicht unbedingt der Startpunkt. Der Startpunkt sollte die Klarheit sein. Vermögen braucht eben Struktur, damit Kapital nicht nur investiert ist, sondern auch eine Aufgabe erfüllt und damit finanzielle Entscheidungen nicht belasten, sondern Klarheit schaffen. Genau. Also dann kommen wir jetzt schon zum Abschluss unseres Podcasts. Vielen Dank, dass du heute hier unser Gesprächspartner warst. Ja, sehr gerne. Und wenn Sie sich fragen, ob Ihre aktuelle Vermögensstruktur wirklich zu Ihrer Lebensplanung passt, kann eine unabhängige Einordnung sehr hilfreich sein. Und gerade bei größeren Vermögen lohnt sich auf jeden Fall der Blick auf das Gesamtbild. Ich sage mal vielen Dank fürs Zuhören. Weitere Informationen zur Finanzstrategie Sommese und Kollegen finden Sie wie gewohnt in den Shownotes. Ja, schön, dass Sie heute dabei waren. Bis zur nächsten Folge von FINANZDIALOG. Bis dann.
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