259 | Klumpenrisiko: Immobilien, Firma, Depot – was ist zu viel?
Shownotes
Viele Vermögen wirken auf den ersten Blick solide: das Eigenheim, vermietete Immobilien, ein erfolgreiches Unternehmen, ein gewachsenes Depot. Doch entscheidend ist nicht nur, wie hoch das Vermögen ist, sondern wovon es abhängt. Genau darum geht es in dieser Folge von FINANZDIALOG.
Antonio Sommese und Nadine Kostka von Liebinsfeld sprechen darüber, warum Klumpenrisiken oft nicht sofort sichtbar sind – und warum sie nicht automatisch ein Fehler sein müssen. Viele große Vermögen entstehen gerade durch Konzentration: durch Unternehmertum, Immobilienbesitz oder erfolgreiche Einzelpositionen im Depot. Kritisch wird es jedoch dann, wenn aus einer erfolgreichen Aufbauphase eine einseitige Abhängigkeit wird.
Im Mittelpunkt stehen drei typische Bereiche: Immobilien, Unternehmen und Wertpapierdepots. Dabei wird deutlich: Viele verschiedene Vermögenswerte bedeuten noch nicht automatisch echte Diversifikation. Wenn mehrere Bausteine von denselben Risikotreibern abhängen – etwa einer Region, einer Branche, einem Unternehmen oder einer wirtschaftlichen Entwicklung –, kann das Gesamtvermögen fragiler sein, als es auf dem Papier erscheint.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie man Klumpenrisiken sinnvoll einordnet. Pauschale Prozentgrenzen helfen nur begrenzt. Entscheidend sind Lebensphase, Liquiditätsbedarf, Risikotragfähigkeit, Verpflichtungen und persönliche Ziele. Ein Vermögen, das mit 45 Jahren tragfähig erscheint, kann mit 67 Jahren und geplanten Entnahmen ganz anders bewertet werden.
Außerdem geht es um die psychologische Seite: Warum fällt es vielen Anlegern schwer, erfolgreiche Positionen zu reduzieren? Warum fühlt sich Diversifikation manchmal wie ein Verzicht auf Chancen an? Und weshalb ist es wichtig, Vermögensbausteinen eine klare Aufgabe zu geben?
Die zentrale Botschaft dieser Folge: Klumpenrisiken erkennt man nicht allein an einzelnen Positionen, sondern an Abhängigkeiten im Gesamtvermögen. Vermögen braucht Struktur, Liquidität, Risikobewusstsein und eine klare Funktion – damit aus gewachsenen Werten eine langfristig tragfähige Vermögensarchitektur entsteht.
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00:00:00: Speaker: Es gibt Vermögen, die auf dem Papier beeindruckend aussehen und trotzdem fragiler sind, als man denkt. Eine schuldenfreie Immobilie, ein erfolgreiches Unternehmen, ein großes Depot, vielleicht noch Beteiligungen oder vermietete Objekte. Alles wirkt erstmal solide. Und dennoch stellt sich irgendwann eine sehr einfache Frage Wovon hängt dieses Vermögen eigentlich ab? Ja, Toni, genau diese Frage ist der Kern unseres heutigen Themas. Denn Klumpenrisiken, das klingt erstmal richtig technisch fast wie ein Begriff aus der Portfolio Theorie. In der Praxis ist es aber eher sehr persönlich, denn es geht darum, ob ein einzelner Vermögensbaustein oder eine Branche, ein Standort oder eine Entscheidung das gesamte finanzielle Bild zu stark prägen. Ja, Nadine, und wichtig ist direkt auch an die Hörer zu Beginn Ein Klumpenrisiko ist nicht automatisch ein Fehler. Viele große Vermögen entstehen gerade durch Konzentration. Unternehmer bauen Vermögen auf, weil sie über Jahre fast alles in ihre Firma gesteckt haben. Immobilienvermögen entstehen oft dadurch, dass man konsequent in ein oder zwei Objekte investiert. Der Punkt ist also nicht Konzentration ist schlecht. Diversifikation ist gut. So einfach ist es eben nicht. Denn man sollte sich eben die Frage stellen Passt die Konzentration noch zur aktuellen Lebensphase, zur Risikotragfähigkeit oder zu den Zielen? Oder ist aus einer erfolgreichen Aufbauphase inzwischen eine gefährliche Abhängigkeit geworden? Ja, vielleicht starten wir mit einer typischen Mandanten Situation. Jemand sagt Ich bin doch solide aufgestellt. Ich habe mein Eigenheim, zwei vermietete Wohnungen und ein Depot. Auf den ersten Blick klingt das ziemlich vernünftig. Aber wenn man genauer hinschaut, liegen vielleicht achtzig Prozent des Vermögens in Immobilien, und zwar in derselben Stadt. Ja, das ist ein gutes Beispiel, denn viele Menschen empfinden ja Immobilien als besonders sicher, weil sie sichtbar und greifbar sind. Man kann sie anfassen, man kennt die Lage, man sieht die Mieteingänge, man kann reingehen und man. Aber genau diese emotionale Nähe kann den Blick auf Risiken auch ein bisschen trüben. Weil es gibt eben auch Risiken, weil der Standort ist eben entscheidend. Instandhaltung Man muss Regulierungen in Betracht ziehen, das Zinsniveau ändert sich, es gibt mal einen Mietausfall oder auch dann fehlende Liquidität, um etwas eben zu renovieren. Ja, gerade die Liquidität wird oft und wirklich oft unterschätzt. Eine Immobilie kann wertvoll sein, aber sie lässt sich ja nicht in kleinen Teilen verkaufen. Ich kann ja mal sagen, ich verkaufe das Bad oder so, genau das wäre witzig. Wäre lustig, wenn man dafür kurzfristig Geld bekommen könnte. Wenn dann gleichzeitig vielleicht noch Sanierungen anstehen. Oder man muss Steuern zahlen oder es kommen noch familiäre Themen dazu. Merkt man ganz schnell. Vermögen und Verfügbarkeit sind nicht immer dasselbe. Genau, Toni, das ist ein ganz zentraler Punkt, finde ich. Auch weil ein Vermögenswert kann ja langfristig sinnvoll sein und trotzdem kurzfristig total unflexibel machen. Deswegen schauen wir nicht nur auf den Marktwert, sondern auf die Funktion im Gesamtvermögen. Dient der Baustein denn jetzt gerade der Sicherheit oder soll es Einkommen produzieren? Soll er wachsen, Flexibilität geben? Ohne solche klaren Zuordnung bleibt eben Vermögen oft eine Sammlung von Einzelwerten. Deswegen ist eben dieser große Blick dann entscheidend. Na ja, wie wir eben ja schon mal angedeutet haben, ist das bei Unternehmen echt noch ausgeprägter. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer haben über Jahrzehnte fast ihr gesamtes wirtschaftliches Leben an die eigene Firma gekoppelt Einkommen, Altersvorsorge, Vermögensaufbau, Reputation alles hängt dann an diesem einen Unternehmen. Tja, und das ist ja aber auch klar, weil in der Aufbauphase ist das ja oft unvermeidbar. Ohne Konzentration entstehen selten unternehmerische Erfolge. Das kennen wir doch auch. Aber ab einem bestimmten Punkt verändert sich die Aufgabe von Vermögen. Denn es geht nicht nur darum, Werte zu schaffen, sondern auch darum, geschaffene Werte zu sichern und eventuell in eine private Struktur zu überführen. Ich kenne das ja von mir selbst auch. Wir haben ja auch ein Unternehmen hier. Nadine Ja, und als Unternehmer denkt man einfach Meine Firma ist mein bestes Investment. Das kann ja rückblickend absolut stimmen und ist ja auch meistens so, aber es ist eben auch ein Investment mit sehr spezifischen Risiken. Branche, Kundenstruktur, Personalnachfolge, Konjunktur, Finanzierung oder auch technologische Veränderungen nagen ja auch an so einem Unternehmen. Toni Und da kommt ja noch etwas hinzu, weil das Depot ist dann ebenfalls eben nicht neutral, weil es enthält eben vielleicht Aktien aus derselben Branche, Beteiligungen an ähnlichen Geschäftsmodellen oder Produkte, die man stark vom gleichen wirtschaftlichen Umfeld abhängig sind. Und dann glaubt man, man habe verschiedene Vermögensbausteine. Aber tatsächlich hängt man an vielen selben Risikotreibern. Ja, das ist ein wichtiger Gedanke. Nadine Klumpenrisiken erkennt man nicht immer an der Oberfläche. Zwei Anlagen können unterschiedlich aussehen, aber wirtschaftlich sehr ähnlich reagieren. Die Firma ist zyklisch, die vermietete Gewerbeeinheiten hängen an derselben Region, und im Depot. Liegt alles in heimischen Aktien oder nur in Technologie und stell mal vor. Du bist ein Technologieunternehmen, hast ein Tech Unternehmen und hast noch Tech im Depot. Da würde man sagen eher Streuung ist doch anders, oder? Genau. Ja, dann ist die Vermögensstruktur weniger breit, als sie nämlich auf dem Papier erscheint oder dann nicht erscheint, je nachdem, welches Beispiel du gerade nimmst. Und Diversifikation heißt dann eben nicht Ich habe einfach wie gesagt viele Positionen, sondern dann heißt Diversifikation. Ich bin nicht von denselben Entwicklungen abhängig. Also unterschiedliche Konten, verschiedene Produkte oder mehrere Objekte reichen oft nicht aus, wenn dahinter dieselben Risiken stehen. Ja, und im Depot sieht man das besonders häufig. Da gibt es Anleger, die sagen Ich habe doch fünf und zwanzig Aktien. Wenn davon aber zehn aus derselben Branche kommen, fünf vom selben Markt abhängen und eine Position dreißig Prozent des Depots ausmacht, dann ist das Risiko weiterhin doch hoch konzentriert. Ja, und manchmal entsteht diese Konzentration gar nicht durch bewusste Spekulation, sondern auch manchmal durch Erfolg. Das kann ja auch mal passieren. Eine Aktie ist also stark gestiegen. Ein Unternehmen hat sich super hervorragend entwickelt, eine Beteiligung wurde immer wertvoller. Das fühlt sich natürlich super positiv an, aber genau dann sollte man auch ganz nüchtern prüfen, ob die ursprüngliche Struktur noch stimmt und ob man das vielleicht dann zurückführen möchte. Ja, Nadine, aber das ist jetzt psychologisch für den Anleger sehr schwierig. Niemand trennt sich gern von dem, was echt gut gelaufen ist. Viele verbinden mit erfolgreichen Positionen eine Geschichte. Damit habe ich viel verdient. Das Unternehmen kenne ich, die Immobilie war immer zuverlässig. Das fühlt sich ja auch gut an, wenn man so Gedanken hat. Und diese Geschichten. Das ist menschlich. Das ist absolut verständlich. Und Vermögenssteuerung braucht deswegen manchmal auch eine gewisse Distanz. Die Frage ist dann nicht, ob es eben ein Baustein in der Vergangenheit nur gut war, sondern dann muss man sich tatsächlich auch mal die Frage stellen Ist dieser Baustein noch für das Risiko in der Zukunft tragfähig? Und ist das eben im Blick auf das Gesamtvermögen auch positiv zu bewerten? Ja, Nadine, man könnte sagen Vergangenheit erklärt, warum das Vermögen so entstanden ist. Aber sie antwortet nicht automatisch, wie es zukünftig strukturiert sein sollte. Das hast du jetzt aber schön gesagt. Und genau hier beginnt ja auch bei uns immer so diese strategische Vermögensarchitektur. Den Begriff hatten wir schon mal im letzten Podcast. Einfach gut. Ja, weil sie respektiert halt auch hier, wie das Vermögen entsteht, aber bleibt eben darin auch nicht gefangen, weil man eben genau, was wir auch jetzt schon mal hatten, sich Fragen stellen muss. Das ist ja ganz, ganz viel, auch in unserem alltäglichen Gespräch mit unseren Mandanten, dass wir viele, viele Fragen stellen müssen und der Mandant dann die Zeit hat, auch zu reflektieren. Also wie beispielsweise Was soll denn dieses Vermögen heute leisten? Soll es jetzt Einkommen sichern, Ruhestand finanzieren, die Familie absichern, unternehmerische Freiheit erhalten oder soll mal Vermögen übertragen werden? Dann würde ich sagen lass uns doch noch mal die Frage in dem Titel. Das ist ja so ein bisschen das Thema Klumpenrisiken. Was ist eigentlich ein Klumpenrisiko? Gibt es da Nadine feste Prozentzahlen? Woran kann ich das kritisch sehen? Gut, eine pauschale Grenze wäre natürlich schön, wenn es die gäbe. Aber es ist ja auch nicht seriös, hier zu beantworten. Man kann natürlich Schwellen als Orientierung nutzen, wenn ein einzelner Vermögenswert zum Beispiel vierzig, fünfzig oder siebzig Prozent des Gesamtvermögens ausmacht. Sollte man da schon mal genauer hinschauen. Aber entscheidend ist, dass man es im Gesamtkontext betrachtet. Das heißt ist der gerade dieser Baustein ein Tagesgeld, der vielleicht gerade bewusst so hoch gesteuert ist, dann ist er ja ein liquider Baustein, oder? Wie stabil sind Erträge, die daraus kommen? Oder ergeben sich daraus Verpflichtungen? Oder wie lang ist ein Zeithorizont, wo er gebunden ist? Ja, liebe Hörer, wir können einfach euch das nicht. Es geht halt nicht ohne Fragen, wenn man ein Konzept machen will. Deswegen haben wir immer wieder diese Fragen Sessions. Aber die sind ja so, ich gehe da noch mal ein bisschen weiter und sage Machen wir ein Beispiel Ein fünf und vierzig jähriger Unternehmer mit hoher laufender Ertragskraft, also guten Einkünften, kann eine Konzentration doch anders ertragen als jemand, der vielleicht sieben und sechzig ist und der aus dem Vermögen, vielleicht auch aus der Firma jetzt regelmäßige Entnahmen plant. Das gleiche Vermögen kann in einer Lebensphase tragfähig sein oder in der anderen einfach riskant. Ja, genau. Und deshalb reicht eben eine reine Depotanalyse alleine nicht aus. Man muss das gesamte Vermögen betrachten. Also alles, was du gerade gesagt hast, die Immobilie, die Firma, private Liquidität, das Wertpapierdepot, Altersvorsorge, Darlehen, Steuerlast, familiäre Ziele. Also all das ist ja, es sind immer die Bausteine unserer Fragen, weil erst dann sieht man, ob ein Klumpenrisiko wirklich dann auch gefährlich wird oder werden kann oder ob es durch andere Bausteine auch abgefedert wird. Nehmen wir mal Nadine, das Eigenheim. Viele Menschen sagen das zählt für mich nicht als Vermögen. Da wohne ich jetzt drin. Aus emotionaler Sicht verstehe ich das. Aus strategischer Sicht ist es trotzdem noch ein wesentlicher Vermögenswert. Ja, absolut. Das Eigenheim hat ja eben eine besondere Funktion, weil man spart ja auch dadurch Miete, man schafft sich Stabilität und vor allen Dingen ist es ja so eine Nestwärme. Das ist eine emotionale Sicherheit. Aber es bindet halt auch Kapital. Denn wenn ein sehr großer Teil des Nettovermögens im selbstgenutzten Objekt steckt, ist das Vermögen möglicherweise sehr hoch, aber die finanzielle Beweglichkeit eben nur begrenzt. Ich kann es ja nicht liquidieren. Einfach so? Ja, jetzt hast du auch mal was rausgehauen. Finanzielle Beweglichkeit hört sich gut an! Bleiben wir da. Weil das ist ja besonders relevant im Ruhestand. Dann sinkt vielleicht häufig, das ist ja so das laufende Einkommen. Aber Instandhaltung, Modernisierung oder auch Pflegefragen bei der Immobilie oder bei einem selbst nehmen ja zu. Wer dann kaum liquide Mittel hat, hat zwar hohe Immobilienwerte, wird aber trotzdem unter Druck sein. Ja, und deswegen geht es nicht darum, irgendwie das Eigenheim schlecht zu reden. Um Gottes Willen. Nur es geht darum, seine Rolle zu definieren und diese einzuordnen. Es ist kein Depotbaustein, den man flexibel rebalancieren kann. Es ist einfach auch ein Lebensgefühl. Es ist Sicherheit, es Kapitalbindung. Es gibt einem auch ein gutes Bauchgefühl, sich ein Zuhause aufzubauen, ein Nest. Ja. Bei vermieteten Immobilien kommt noch eine Ertragsseite dazu. Viele Anleger betrachten Mieteinnahmen als stabilen Ersatz für Zinsen oder Ausschüttungen, was ja auch nachvollziehbar ist. Ja, das kann funktionieren. Aber hier gibt es manchmal auch Konzentrationsrisiken, zum Beispiel wenn mehrere Objekte im selben regionalen Markt liegen. Das hatten wir ja vorhin auch schon mal, dann hängen im Wertentwicklung und Vermietbarkeit stark an lokalen Faktoren wie dem Arbeitsmarkt, Demografie, Infrastruktur. Hinzu kommen aber dann auch die objektbezogenen Risiken, wie eben ist gerade Sanierungsbedarf oder energetische Anforderung. Das ist ja heutzutage auch ganz, ganz wichtig. Oder auch mal unerwartete Leerstände, weil das ist dann nicht so schön, wenn man mehrere Monate auf die Miete verzichten muss. Ja, und da gibt es sogar noch einen weiteren Punkt Immobilien werden ja oft mit Fremdkapital finanziert. Das kann die Eigenkapitalrendite erhöhen, aber es erhöht auch die Abhängigkeit von Banken von der Zinsentwicklung und von der Zahlungsfähigkeit generell, ja. Deswegen sollte man eben das Immobilienvermögen nie isoliert betrachten. Und die vermietete Immobilie ist eben nicht nur ein Sachwert, sondern auch eben ein unternehmerischer Baustein, Weil sie braucht eben genau auch wie bei einem Unternehmen. Liquiditätsreserven braucht eine gewisse Planung. Man muss es realistisch einschätzen, immer wieder sich angucken und auch die laufenden Verpflichtungen natürlich berücksichtigen. Ja, jetzt haben wir über Immobilien gesprochen. Lass uns doch jetzt mal zum Depot kommen. Gerne. Da das Klumpenrisiko viel einfacher messbar, aber nicht immer am einfachsten zu lösen. Wenn eine Einzelposition ja sehr groß geworden ist, steht oft die Frage im Raum Verkaufen, halten oder auch schrittweise reduzieren? Genau. Und hier sollte man tatsächlich auch nicht impulsiv handeln. Lass uns mal das anhand von wieder drei Fragen einfach feststellen. Die erste Frage lautet dann, die man sich stellen sollte Welche Funktion hat eben genau diese Position gerade ist sie Teil von einem langfristigen Strategie oder war sie jetzt historisch gewachsen? Die zweite Frage Welches Risiko entsteht, wenn sie stark fällt? Und die dritte, welche steuerlichen, emotionalen oder auch praktischen Aspekte sind auch an dieser Position zu beachten? Ja, das klingt natürlich erst mal alles nüchtern, aber es ist halt wichtig. Du kannst so Positionen, sofortiger Verkauf kann ja manchmal sogar steuerlich unattraktiv sein oder auch ein emotional überfordern, wenn man vielleicht derselben Firma gearbeitet hat und von dem man Aktien besitzt, ja gar nichts tun, ist aber ebenfalls falsch. Also wir haben die Erfahrung gemacht, oft ist ein geplanter, stufenweise Abbau sinnvoller, als was viele Anleger wünschen. Diese Alles oder nichts verkaufen Verkaufsentscheidung Ja, vor allem sollte der Erlös eben nicht einfach irgendwo neu investiert werden, sondern Kapital, wie wir das immer so schön sagt, braucht eine Aufgabe. Wird es Liquidität, Stabilität oder Wachstum? In welche Richtung soll es gehen? Welche Abzweigung soll es nehmen Und soll es künftige Entnahmen absichern? Bestehende Risiken ausgleichen oder eben erst die Funktion bestimmt dann auch die sinnvolle Struktur im Depot. Ja, und da gibt es so ein Missverständnis, das viele im Kopf haben. Ich weiß gar nicht warum. So nach dem Motto Wer diversifiziert also wer streut, verzichtet auf Rendite. Viele sagen Wenn ich meine Gewinnerposition reduziere, nehme ich mir doch Chancen. Ja, das kann sich so anfühlen. Aber Diversifikation, also Streuung, ist kein Angriff auf Chancen, sondern ein Schutz auch vor vermeidbaren Abhängigkeiten. Denn natürlich kann eine ganz konzentrierte Position weiter steigen. Sie kann aber eben auch fallen. Und dann trifft sie das Gesamtvermögen eben überproportional, wenn es zu hoch bewertet ist. Ja, man muss hier unterscheiden zwischen Risiken, die langfristig entlohnt werden können, und Risiken, die nur Unsicherheit erhöhen. Das Risiko eines breit gestreuten Aktienmarktes ist etwa anders als das Risiko einer einzelnen Aktie, einzelne Immobilien oder eines einzelnen Unternehmens. Klar, und ein breit gestreutes Portfolio beteiligt sich ja an vielen Unternehmen, Regionen, Ertragsquellen und ein Klumpenrisiko hängt also dagegen oft eben von wenigen Annahmen ab. Wenn diese Annahmen nicht eintreten, gibt es eben wenig Ausgleich. Dann ist der Unterschied zwischen diesem bewusst getragenen Marktrisiko und vermeidbaren Einzelrisiken schon groß. Ja, was bedeutet das praktisch für so eine Vermögensanalyse? Ich würde immer mit einer Gesamtübersicht, was du ja auch schon angedeutet hast. Man braucht den Blick auf allem beginnen, nicht mit der Frage welche Anlage ist gerade gut, sondern welche Vermögensbausteine gibt es überhaupt? Welchen Wert haben diese? Wie liquide sind sie und wovon hängt das ab, wie sie sich entwickeln? Klar, und erst dann kommt dann die Funktionszuordnung, nämlich sich klar zu machen, Was dient also der kurzfristigen Sicherheit? Ja, was soll diese laufenden Ausgaben decken. Was ist langfristiges Wachstumskapital? Was darf also schwanken? Was ist gebundenes Lebensvermögen? Etwa das Eigenheim oder welcher Baustein? Bausteine sind Bausteine? Jetzt hast du dich aber verhaspelt. sind unternehmerisch oder besonders schwankungsanfällig. Ja, erst danach sieht man, ob das Vermögen ausgewogen ist. Vielleicht gibt es viel Substanz, aber einfach zu wenig liquide Mittel. Vielleicht gibt es hohe Ertragschancen, aber keine stabile Reserve. Vielleicht ist das Depot breit gestreut, aber das Gesamtvermögen trotzdem fast vollständig vom eigenen Unternehmen abhängig. Und ich finde, da wird jetzt nochmal ganz deutlich, was wir mit diesem Begriff der Vermögensarchitektur eben auch meinen, dass es schon wieder getan. Ich weiß, aber das kommt jetzt irgendwie immer vor. Aber es geht eben darum, wie bei einem Hausbau die einzelnen Bausteine eben dann auch zu optimieren und eben das Zusammenspiel eben neu einzuordnen, weil das ist wie beim Hausbau. Ein starkes Haus besteht nicht nur aus einzelnen wertvollen Materialen. Es braucht halt am Anfang erst ein Konzept, ein tragendes Fundament. Es braucht dann eine Statik, es braucht ein Architekt für die Raumaufteilung. Also es sind einfach ganz viele verschiedene Gewerke dafür notwendig. Ja, das ist ein guter Punkt. Wer bereits mit der Firma ein hohes unternehmerisches Risiko trägt, sollte sein privates Depot vielleicht nicht zusätzlich wie ein zweites Unternehmensinvestment strukturieren. Sonst addieren sich ja, wie wir die ganze Zeit versuchen klarzumachen, die Risiken, anstatt dass sie sich einfach ausgleichen. Genau. Und wer also stark in Immobilien investiert, muss eben nicht zwingend noch Immobilien, Aktien, Bauwerte oder regionale Bankenrisiken im Depot übergewichten. Manchmal entsteht eben diese Risikosteuerung gerade dadurch, dass das Depot einen Gegenpol bildet. Ja, das ist, was man eigentlich Diversifikation. Das klingt immer einfach, wird aber doch selten wirklich konsequent gemacht. Viele Menschen investieren das, was sie kennen, nach dem Motto Das kenne ich, das kaufe ich. Unternehmer investieren in ihre Branche, Immobilienbesitzer bleiben einfach bei Immobilien. Und Führungskräfte investieren gerne, manchmal auch. Arbeitsvertrag ist auch so geregelt in Aktien des eigenen Arbeitgebers. Genau das kann so sein. Muss natürlich nicht so sein. Aber es ist ein Punkt, dass Vertrautheit eben eine gewisse Sicherheit vermittelt. Aber die ist eben nicht dasselbe wie auch eine Risikostreuung. Und wer eben nur in bekannte Bereiche investiert, erhöht oft unbewusst tatsächlich die Abhängigkeit vom eigenen Lebensumfeld. Deswegen ist es strategisch sinnvoll, nicht immer das, was man sich am vertrautesten anfühlt, eben zu kaufen, sondern wirklich eben diesen großen Blick zu haben und eben global zu denken. Ja, lass uns jetzt gerne noch mal über eines meiner persönlichen Lieblingsthemen reden. Jetzt kommt deins. Ja, was bei dir die Vermögensarchitektur ist, ist bei mir Rebalancing. Ich liebe Rebalancing. Warum? Ja, im Depot. Ist das ein bekanntes Prinzip? Wenn eine Anlageklasse sehr stark gewachsen ist, wird sie an die Zielstruktur zurückgeführt. Man kann diese Gedanken auch mit dem Gesamtvermögen übertragen. Also ich mache ein Beispiel. Du hast fünfzig tausend Aktien und fünfzig tausend Zinspapieren. Auf einmal sind die Aktien siebzig tausend wert. Und die Zinspapiere sind dann eben Prozentual nicht mehr fünfzig Prozent, sondern weniger. Und dann verkaufe ich einfach die Aktien und macht die anderen. Jetzt würden wir sagen Ja, aber jetzt verkauft er, wenn die Aktien weiter steigen, dann ist es aber so es gibt auch mal eine Phase, wo die Aktien fallen und dann machst du das Rebalancing in die andere Richtung. Tatsächlich ist das, was du jetzt beschreibst, ja, aber nur beim Wertpapierdepot so einfach, weil habe ich jetzt ein Unternehmen oder eine Immobilie, ist das eben gar nicht so einfach zu rebalancieren. Also man kann bewusst zwar gegensteuern, eben wie zum Beispiel durch den Aufbau liquide Reserven, durch Teilverkäufe oder Entnahmen aus dem Unternehmen. Man kann Tilgungsentscheidungen treffen oder eben auch defensivere private Anlagepolitik betreiben. Aber so einfach wie im Depot lässt es sich eben nicht in anderen Bereichen machen. Puh, da hast du natürlich recht, dass ein Wertpapierdepot einfach im Handling. Aber das heißt Rebalancing im Gesamtvermögen und das ist ja das, was du ansprichst, ist ja nicht immer nur eine Transaktion. Es kann auch bedeuten, dass man einfach die Sparraten, die man jetzt irgendwo hinlegt, umbaut und woanders hinlegt. Man kann auch sagen, dass sich Ausschüttungen nicht wieder in dasselbe investiere. Ja, das ist ja einfach sagen, wie du oben angedeutet hast. Neben der Ausschüttung und vielleicht ein Festgelddepot, also ein Festgeldkonto. Ja, und somit kann man dann über die Jahre und das geht nur über die Jahre. Dann bin ich bei Risiken doch schrittweise reduzieren. Genau, weil das ist glaube ich auch das ganz Wichtige, dass man da auch sich selbst nicht unter Druck setzt, weil viele denken, sie müssten ein Klumpenrisiko sofort vollständig beseitigen. Aber häufig ist der bessere Weg, eben das mit Plan zu machen, In einem Jahr, drei Jahren, fünf Jahren, was soll da anders aussehen? Und dann eben, dass man für sich auch Schwellen definiert und das entsprechend dann löst. Genau so, wenn wir das den Hörerinnen und Hörern praktisch mal zusammenfassen. Der erste Schritt ist eine ehrliche Vermögenslandkarte. Alles auflisten, nicht nur das Depot. Immobilien. Firma. Beteiligung. Liquidität. Versicherung. Darlehen. Ist aber ganz schön viel Arbeit, oder? Ja, es gibt ja Leute, die unterstützen das. Oder Pensionsansprüche. Ja, das ist richtig. Und der zweite Schritt wäre ja dann, wenn man diese Vermögenslandkarte definiert hat, eben diese Risikofragen zu beantworten. Also nochmal wovon hängt mein Vermögen ab? Von einem Standort, einer Branche, einem Arbeitgeber, einem Vermieter oder einer einzelnen Aktie, einem Zinsniveau? Und diese Fragen sind oft aufschlussreich. Ja, als eben die reine Rendite Betrachtung. Dann warst du ja auch. Hast du ja schon mal gesagt. Auch der dritte Schritt ist dann eben die Funktionsfrage. Welche Bausteine geben Sicherheit, welche schaffen Wachstum? Welche sind verfügbar, gebunden und welche Risiken gleichen sich aus oder verstärken sich gegenseitig? Und dann noch der vierte Punkt. Ja, du bist im Flow. Mach einfach weiter. Ich merke es gerade. Lass laufen. Also nicht hektisch. Nicht aus Angst, sondern eben strukturiert. Eben zu planen. Also welche Konzentration ist akzeptabel, welche soll reduziert werden, über welchen Zeitraum auch vor allen Dingen? Und welche Rolle übernimmt denn das freiwerdende Kapital? Ja, da kommen wir auch langsam zum Schluss. Weil ich würde zum Schluss sagen, Klumpenrisiken sind oft das Ergebnis guter Entscheidungen aus der Vergangenheit. Eine erfolgreiche Firma, eine wertvolle Immobilie, eine stark gestiegene Beteiligung all das kann Ausdruck von Disziplin, Mut und sogar Unternehmertum sein. Das ist ja schön, auch wenn das so ist, dann. Und man dann eben auf seine Früchte schauen kann. Aber eben erfolgreiche Vergangenheit entbindet nicht von künftiger Verantwortung. Vermögen verändert eben seine Aufgaben auch im Laufe des Lebens. Und was einmal Wachstum geschaffen hat, muss nicht unbedingt später auch die Stabilität ermöglicht, die man in dieser Lebensphase braucht. Was früher dann eben viel Konzentration verlangt hat, braucht irgendwann vielleicht eine ganz andere Struktur. Ja, und das hatten wir ja schon mal, Nadine. Und diese Strukturen entstehen einfach nicht durch irgendwelche schnelle Umstellungen, weil das geht ja manchmal gar nicht auch im Unternehmen, sondern durch einen klaren Blick Was habe ich, wovon hängt was ab? Was brauche ich und welche Abhängigkeiten will ich vielleicht in Zukunft einfach reduzieren? Toni Das ist vielleicht auch noch mal ein ganz wichtiger Punkt, als an die Hörer zu sagen Wir wollen hier keine Angst machen. Also Klumpenrisiko ist also keine Aufforderung, jetzt irgendwie Angstzustände zu bekommen? Ja, aber man kann es ja eben als Einladung auch betrachten, dass man mal so ein bisschen Ordnung wieder schafft. Und wer eben seine Konzentration kennt, weiß, wie seine Vermögenslandkarte denn aussieht, Wie ist die Gewichtung? Der kann halt auch entscheiden und neu ordnen. Ja, dann mach ich doch mal einen schönen Schlusssatz. Vermögen braucht nicht nur Wachstum, sondern Tragfähigkeit. Sehr gut. Ja. Und wann entsteht Tragfähigkeit? Entsteht dann, wenn Kapital eben eine ganz klare Aufgabe bekommt. Ganz egal, ob im Depot, in der Immobilie, im Unternehmen oder im Leben auch generell. wenn Sie Ihr eigenes Vermögen jetzt also betrachten, lohnt sich nicht nur der Blick auf einzelne Renditen und Depotpositionen. Entscheidend ist tatsächlich dann die Gesamtstruktur. Deswegen, wenn Sie sagen, welche Bausteine tragen welche Abhängigkeiten, welche Rolle soll das Kapital in den nächsten Jahren erfüllen und Sie einen Ansprechpartner brauchen, dann sind wir gerne für Sie da. Denn unsere Vision ist finanzielle Klarheit für ein selbstbestimmtes Leben unserer Mandanten. Ja, und ich kann nur sagen noch mal herzlichen Dank, dass Sie heute wieder bei FINANZDIALOG dabei waren.
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