253 | Struktur statt Prognose: Die Wahrheit über Ruhestandsplanung

Shownotes

Viele Anleger erreichen einen Punkt, an dem eigentlich alles stimmt: Das Vermögen ist aufgebaut, das Depot gut gefüllt – und trotzdem bleibt eine zentrale Frage offen: Reicht es wirklich?

In dieser Folge sprechen wir über den entscheidenden Wendepunkt in der Vermögensplanung: den Übergang von der Ansparphase in den Ruhestand. Denn genau hier verändert sich nicht nur das Einkommen – sondern die Funktion des Vermögens.

Was zuvor auf Wachstum ausgerichtet war, muss plötzlich Stabilität, Planbarkeit und Verlässlichkeit liefern. Und genau an dieser Stelle greifen viele klassische Strategien zu kurz.

Wir sprechen darüber: • warum Rendite allein keine Lösung ist • weshalb ein „gut gelaufenes“ Depot nicht automatisch ruhestandstauglich ist • und warum Sicherheit nicht durch weniger Risiko entsteht, sondern durch klare Struktur

Im Mittelpunkt steht ein einfaches, aber wirkungsvolles Prinzip: Vermögen braucht Aufgaben.

Liquidität, Stabilität und Wachstum – richtig kombiniert – bilden die Grundlage für eine tragfähige Ruhestandsstrategie.

Diese Folge ist kein Prognoseversuch. Sondern eine Einladung zur Einordnung. Denn am Ende entscheidet nicht der Markt über Ihren Ruhestand – sondern Ihr Plan.

Transkript anzeigen

00:00:00: Speaker: Wir haben einen Mandanten vor Augen. Anfang sechzig, Unternehmer, erfolgreich über viele Jahre Vermögen aufgebaut, vieles richtig gemacht, Depot gut gefüllt und von außen wirkt das stabil. Fast schon beruhigend. Und trotzdem fällt dann ein Satz, den wir in ähnlicher Form sehr häufig hören. Ich glaube, ich bin gut aufgestellt, aber ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich reicht. Und genau dieser Satz ist spannend. Nicht wegen der Vermögenshöhe, sondern wegen der Frage dahinter. Denn auf einmal geht es nicht mehr nur um Rendite, sondern um Klarheit, um Einordnung und um die nächste Lebensphase. Und genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Frage. Dominique Nicht zuerst ist genug Vermögen da, sondern eher Welche Aufgaben hat dieses Vermögen jetzt? Bis hierhin ging es um Aufbau, um Entwicklung und Wachstum. Aber jetzt beginnt eine neue Phase. Und mit dieser neuen Phase verändert sich auch die Funktion des Geldes. Und genau darüber wollen wir heute sprechen. Herzlich willkommen heute beim FINANZDIALOG mit Toni Sommese und Dominique Meßmer. Viele denken beim Ruhestand zuerst das Einkommen fällt weg und jetzt ist Rente angesagt. Reicht meine Rente und Vermögen für den wohlverdienten Ruhestand? Das Vermögen wird nun plötzlich anders gesehen, anders bewertet und auch anders gefühlt. Dominique Da sprichst du was Wahres an! Man muss ein bisschen unterscheiden. Es gibt ja so diese Ansparphase, wo du Vermögen aufbaust. In diese Ansparphase ist die Logik oft noch relativ klar Vermögen soll wachsen. Zeit arbeitet für mich das laufende Einkommen, das ich habe, stabilisiert Vieles. Schwankungen sind zwar unangenehm, aber oft gut auszuhalten. Im Ruhestand verschiebt sich das genau. Vermögen soll nicht nur da sein. Es soll für monatlich schöne Ausgaben wie Urlaub oder Anschaffungen genutzt werden. Kann es mir also Spielraum schaffen und mir nötige Ruhe geben? Diese Bedenken führen viele dazu, dass sich dieselbe Summe plötzlich ganz anders anfühlt. Gehen wir noch mal zurück zum Unternehmer vom Anfang, unserem Selbständigen mit Anfang sechzig. Objektiv hat er vieles erreicht. Vermögen ist da, Substanz ist da, Disziplin ist da. Und trotzdem ist da nicht automatisch Ruhe. Das überrascht viele erst einmal, weil man von außen schnell sagt Das ist doch genug, es ist doch genug da. Aber genau das reicht eben nicht als Antwort. Denn Vermögen zu besitzen und Vermögen richtig für die nächste Lebensphase einzuordnen, das sind zwei verschiedene Dinge. Richtig, Dominique In der Aufbauphase lässt sich Erfolg oft leichter ablesen. Vermögen wächst und Einzahlungen wirken Und Zeit puffert wie gesagt, vieles ab. Aber im Ruhestand wird Vermögen mehr als nur ein Ereignis. Es wird mehr als ein Ergebnis sein, es wird Teil der Lebensgestaltung. Dann geht es nicht mehr nur um Zahlen auf dem Papier, sondern um Fragen wie Wie lange soll das reichen? Wie flexibel muss das ganze Geld eigentlich sein und bleiben? Und welche Schwankungen passt jetzt zu mir noch? Und genau an diesem Punkt merkt man oft, dass sich nicht nur die Zahlen verändern, sondern auch der Blick auf Risiko. Ein ganz wichtiger Punkt ist die Bereitschaft. Die Risikobereitschaft sinkt im Ruhestand oft spürbar. Nicht bei jedem, aber bei vielen. Nicht aus Panik. Und auch nicht, weil Menschen plötzlich grundsätzlich ängstlicher werden, sondern weil die Lebenssituation eine andere ist. Es bleibt weniger Zeit, um Fehler auszugleichen. Es gibt weniger laufendes Einkommen als Puffer und stärkere Schwankungen fühlen sich einfach anders an? Ja, wer mitten im Berufsleben steht hat oft mehr Robustheit. Das Einkommen kommt ja noch, Zeit ist da, der Handlungsspielraum ist einfach viel größer. Kurz vor oder im Ruhestand verändert sich diese Perspektive. Dominique Dann sollen Entscheidungen nicht mehr nur chancenreich sein, sondern vor allem passend. Und das ist auch völlig nachvollziehbar, denn Vermögen trägt ja jetzt eine andere Verantwortung. Und wenn Risiko sich anders anfühlt, dann muss man fast automatisch auch über Zeit sprechen. Denn Ruhestand ist heute oft keine kurze Phase mehr. Zum Glück. Wir sprechen schnell über zwanzig, fünf und zwanzig oder vielleicht sogar dreißig Jahre. Und das verändert alles. Vermögen soll nicht nur einen guten Start in den Ruhestand begleiten, sondern einen sehr langen Abschnitt des Lebens. Deshalb reicht kein kurzer Blick auf den Moment. Man muss in Zeiträumen denken, in Entwicklungen, in Veränderungen und eben auch in Lebensphasen. Und genau da wird die Aufgabe komplexer, weil diese Jahre ja nicht alle gleich verlaufen. Am Anfang ist es vielleicht noch mit mehr Aktivität, mehr Reisen und mehr Wünsche verbunden. Später im Ruhestand verschieben sich die Prioritäten. Gesundheit kann wichtiger werden. Man will es auch vielleicht einfacher haben. Man braucht, auch wenn es nicht gut läuft, auch mal Unterstützung von der Familie. Deshalb funktioniert Ruhestandsplanung eben nicht wie eine einzelne Zahl auf dem Papier, sondern eher wie ein gut geordneter Rahmen für eine lange Zeit. Und wenn wir schon in längeren Zeiträumen denken, dann kommt man an einem Thema nicht vorbei der Inflation. Denn Inflation wirkt nicht laut, sondern leise. Ein Betrag, der heute ausreicht, sieht in zehn oder fünfzehn Jahren möglicherweise ganz anders aus. Die Kaufkraft verändert sich schleichend. Und deshalb reicht es nicht, nur mit heutigen Summen zu rechnen. Ruhestand ist keine statistische Rechnung, oder? Toni Das ist für viele der eigentliche Knackpunkt. Inflation ist halt nicht direkt sichtbar, sondern kommt irgendwie langsam schleichend daher. Die Lebenshaltung wird teuer, die Einkäufe im Supermarkt sind irgendwie dann mit Mehrausgaben verbunden. Die Kosten für Gesundheit steigen nicht nur durch Inflation, sondern weil man vielleicht auch mehr braucht. Seine Gewohnheiten werden teurer und auch die Wünsche, die man sich erfüllen will. Alles entwickelt sich halt weiter. Deshalb reicht die Frage Wie viel Vermögen ist da eben nicht aus. Die wichtigere Frage ist Was kann dieses Vermögen in Zukunft noch leisten? Und genau daran merkt man, warum eine Summe allein noch keine Antwort ist. Vielleicht schauen wir uns mal Dominique ein einfaches Beispiel an. Ja, das ist eine gute Idee. Nehmen wir mal das Beispiel 250.000 Euro. Die wirken auf den ersten Blick für viele erst mal beruhigend. Und das ist auch verständlich. Das klingt nach Substanz, nach Polster, nach Sicherheit. Aber genau da beginnt die Einordnung. Denn die Zahl allein sagt noch nicht besonders viel aus. Entscheidend ist doch die Funktion des Geldes. Wofür soll das Kapital denn da sein? Soll es ergänzen, Soll es absichern? Soll es Freiraum schaffen? Über welchen Zeitraum muss ich über das Geld verfügen? Darf ich über das Geld verfügen? Neben welchen Einkünften? Was gibt es denn noch nebendran? Mit welchem tatsächlichen Bedarf? Erst dadurch bekommt die Summe überhaupt eine echte Bedeutung. Deshalb ist die Frage nicht Sind 250.000 Euro viel oder wenig. Sondern eher Welche Aufgabe sollen diese 250.000 Euro übernehmen und wie passen sie in mein Gesamtbild? Dann wird aus einer Summe keine reine Rechenübung oder Zahl, sondern eine Einordnungsfrage. Und genau deshalb sollte man im Ruhestand nie nur auf einen einzelnen Betrag schauen. Absolut. Denn Ruhestandsplanung funktioniert selten sinnvoll, wenn man nur auf ein Depot oder nur auf Liquidität schaut. Zur Gesamtbetrachtung gehören oft weitere Bausteine wie die gesetzliche Rente, betriebliche Vorsorgen, private Rentenbausteine, Mieteinnahmen, vielleicht auch Rücklagen und Reserven. Erst im Zusammenspiel entsteht ein realistisches Bild. Und genau das ist oft entlastend. Nicht, weil plötzlich alles gelöst wäre, sondern weil der Blick einfach weiter wird. Weg von der einen Zahl, hin zum Zusammenspiel aller Vermögenswerte, die in einem langen Leben aufgebaut wurden. Und dann können wir schauen wo sind Lücken, wo sind Reserven, Wo ist vielleicht mehr Stabilität da, als man zunächst dachte. Und genau dadurch entsteht oft ein ganz anderes Maß an Ruhe. Ein typischer Punkt im Gespräch ist das Vermögen im Ruhestand. Noch mit einem alten Blick betrachtet wird also stark über Rendite, über Entwicklung, über Vergangenheitswerte. Das ist nicht falsch, aber es ist eben unvollständig. Denn jetzt kommen andere Fragen dazu Struktur, Übersicht und Belastbarkeit. Wow Dominique, jetzt hast du unseren Hörern aber einige Informationen gegeben. Aber sind wir mal ehrlich Ohne Informationen, ohne Nachdenken kann kein guter Ruhestandskonzept von vonstattengehen. Jetzt muss man sich natürlich solche Fragen in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen. Und ich mache mal an der Stelle weiter. Weil ein Portfolio kann in der Aufbauphase sehr gut gepasst haben und trotzdem muss es später neu eingeordnet werden. Hier gilt es nicht hektisch zu sein oder aus irgendeinem Aktionismus Ich bin jetzt Rentner, es muss anders sein, sondern ich habe mein Depot, das habe ich aufgebaut bis zum Rentenalter. Sondern jetzt ist schlicht die Frage, dass dieses Depot eine andere Aufgabe hat. Und diese Aufgabe des Geldes hat sich also verändert. Ich brauche jetzt zum Beispiel diese monatlichen Entnahmen. Und genau das ist der Kern Nicht alles neu machen, sondern passend zur Lebensphasen einfach sein Vermögen und Depot einordnen. Und wenn man das positiv formuliert, dann stellt sich die Frage Was soll Vermögen im Ruhestand eigentlich leisten? Tja, zusammengefasst Vermögen soll im Ruhestand mehr können als nur vorhanden sein. Es soll Orientierung geben, Flexibilität erhalten und vor allem Ruhe ermöglichen. Nicht jeder Baustein muss alles zugleich können. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Bausteine. Nicht ein starres Modell, sondern einfach nur ein Rahmen, ein Konzept. Also wofür ist das Vermögen da? Worauf kann ich mich verlassen und wo ist Flexibilität für unvorhergesehene Ereignisse? Wie wirkt mein Vermögen langfristig gesehen? Wenn das alles klar ist, entsteht ein anderes Gefühl für das gesamte Konzept. Und vielleicht führt genau das zu einem Begriff, der im Ruhestand für viele besonders wichtig ist, nämlich Sicherheit. Dominique Ich glaube, nicht nur Sicherheit ist im Ruhestand. Sicherheit ist ja so ein entscheidendes Wort. Ist auch ein Gefühl, das man hat. Aber Sicherheit? Das hast du richtig erkannt, ist für viele der zentrale Wunsch. Und das ist auch völlig nachvollziehbar, wenn. Nach vielen Arbeitsjahren möchte man eine Übersicht behalten. Man will Verlässlichkeit und vielleicht auch mit diesem Vermögen eine gewisse Ruhe für sich selbst. Aber Sicherheit heißt eben nicht automatisch, jedes Risiko auszuschalten. Denn auch zu viel Vorsicht löst nicht jede Frage. Die Kaufkraft, sprich die Inflation, bleibt ja ein Thema. Zeit bleibt ja auch ein Thema. Und Flexibilität auch. Deshalb würde ich Sicherheit eher so beschreiben ein verständlich geordnetes Vermögen mit klaren Aufgaben, mit einer klaren Struktur, so dass man nicht jede Marktbewegung neu bewerten muss. Also Sicherheit durch Klarheit, nicht durch Starre. Und genau das nimmt bei vielen Menschen den Druck raus. Und spannend ist es auch, dass dieser Gedanke viel früher beginnt, nicht erst kurz vor dem Ruhestand. Sicherheit begleitet einen ja doch irgendwie auch die ganze Zeit. Das ist richtig. Und damit kommen wir eigentlich schon zu den drei wichtigsten Gedanken dieser Folge. Denn erstens Im Ruhestand zählt nicht nur, wie viel Vermögen da ist, sondern welche Aufgaben dieses Vermögen übernehmen soll. Zweitens der zweite wichtige Gedanke Eine Vermögenssumme wirkt erst dann wirklich beruhigend, wenn Zeit, Inflation und der tatsächliche Bedarf mitgedacht werden. Und zu guter Letzt Sicherheit entsteht nicht durch eine einfache Antwort, sondern durch eine klare Struktur, die zur Lebensphase passt. Ja, Dominique, das Thema soll ja auch nicht belasten, sondern den Blick schärfen. Denn gute Planung schafft Überblick. Und Vermögen soll im besten Fall nicht nur vorhanden sein, sondern Freiraum geben, Entscheidungen erleichtern und ein gutes Gefühl für die nächsten Jahre schaffen. Ja, dann sage ich den Hörern Danke, dass Sie heute dabei waren. Bis zur nächsten Folge von FINANZDIALOG.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.